Kritiken

 

Benefizkonzert von "Öl des Südens" in der Talvogtei in Kirchzarten. 03. Nov. 2017

Betagte Boygroup rockt den Saal

KIRCHZARTEN
Der Andrang beim Benefizkonzert in der Talvogtei war groß, es wurden zusätzliche Stühle benötigt. Durch die engen Wege bahnten sich die in festliche Abendgarderobe mit Leibbinden und schrägen Krawatten gewandeten fünf Galane unter mehrstimmigem Improvisationsgesang den Weg zur Bühne und wandten sich sofort an ihre Hauptzielgruppe: "Buona sera, Signorina, buona sera", einstiger Hit von Rocco Granata, erklang voller Schmalz, aber gekonnt im mehrstimmigen eigenen Arrangement. Gleich hier wurde deutlich, dass alle ihr Handwerk gründlich verstanden. Vom tiefsten Bass bis zu höchsten Kopfstimmtönen wechselten alle fünf permanent durch die Stimmlagen, so wie es die Bearbeitung erforderte und es sich für die ausgeklügelt witzige Choreografie anbot.
Alles wirkte leicht, sicher und höchst unterhaltsam, wie es nur durch viel Übung, großes Können und kongeniales Verständnis für und Eingehen auf den Partner möglich ist. Dies tun die fünf seit mehr als 30 Jahren und dass sie dabei ihren Spaß nicht verloren haben, merkt man in jeder Sekunde. Natürlich bedienten sich die ehemaligen Lehrer, der Rechtsanwalt und der Psychologe auch bei den Comedian Harmonists, denn deren leicht frivole Lieder passen auch zu der nach eigenem Bekunden breitgefächerten musico-erotischen Erfahrung der in die Jahre gekommenen Boygroup. Doch einfach covern gibt’s es bei den Ölprinzen nicht. Sie vereinen den "Kleinen grünen Kaktus", die "Schöne Isabella aus Kastilien" und "Veronika, der Lenz ist da" zu einem Potpourri, schütteln die Texte und Melodien geschickt durcheinander und zeigen so mit ihren speziellen Talenten ihre Wertschätzung für die legendäre Gruppe.
Die drei Schwaben der Gruppe lieferten zur Gaudi des Publikums mit "Yeschderdäh" eine idiomatisch gefärbte Version von Paul McCartneys Welthit. Weitere "ölige" Highlights folgten mit den Caprifischern oder der Feststellung "Küssen kann man nicht alleine". Dass sie alle Facetten des mehrstimmigen Chorgesangs beherrschen, bewies das Quintett mit einer Gesangsversion des unsterblichen Swing-Titels "In the mood" von Glenn Miller. Bis in die stimmlich parodierten Instrumental-Soli zauberten die fünf Sänger veritables Big-Band-Feeling aus ihren Kehlen. Und sie zeigten es auch den Jungen: Ein rockiges "Tutti Frutti", wobei sie sich allerdings die Verrenkungen von King Elvis tunlichst ersparten und ein gerapptes Ende von dem anfangs braven "The shadow of your smile" erzeugten Jubelrufe im Publikum.
Natürlich durfte schalkhafter Machismo nicht fehlen und sie verpackten den unverschämten Text "Du bist nicht die erste, du musst schon verzeihn, aber meine letzte, die könntest du sein" derart schmalzig, dass er wie ein entrückter Liebesschwur klang. Ein Hauptspaß dann die "Geographical Fugue", ein Sprechgesang von Ernst Toch aus den dreißiger Jahren. In atemberaubendem Rhythmus jagten die fünf Sänger Begriffe wie Trinidad, Mississippi, Titicaca und Popocatepetl in einem gesprochenen Feuerwerk durch alle Sprech-Stimmlagen. Große Klasse!

Riegel (19.03.2011):
Alte Klassiker im ganz eigenen, charmanten Mix
Männerchor Öl des Südens in der ausverkauften Kumedi

“Jetzt müssen wir langsam anfangen zu schichten”. Klaus Spürkel hat eine halbe Stunde vor dem Auftritt des Freiburger Männerchores “Öl des Südens” in  der Riegeler Kumedi seine Mühe, für jeden einen Platz zu organisieren.  Ausverkauftes Haus - Vorschusslorbeeren, die es für “Öl des Südens” zu  erfüllen gilt.
“Drei Männer, schön wie Sonnenschein” begrüßen die  Zuhörer. Dass man dies nicht als Selbstbeweiräucherung, sonder  vielmehr als selbstironisches Element verstehen soll, wird schnell  deutlich. Mit “Buona Sere Signorina” zeigen die fünf Männer schnell die  gesamte Palette ihrer Fähigkeiten. Ausdrucksstarke und detailverliebte  Mimik und Gestik, sowie unerwartete Stilbrüche geben dem alten Lied  einen neuen Lack - von Anfang an treffen “Öl des Südens” den Humor des  etwa gleichaltrigen Publikums.
Im weiteren Verlauf des Abends folgt  eine Lehrstunde des kreativen Umgangs mit Musik, geleitet vom charmant  zurückhaltenden Moderator Johannes Ehmann. Mehr als simples “Du-ba”  braucht es nicht, um einen fünfschichtigen Klangteppich zu erzeugen, der auch ohne textliche Basis prächtig unterhält. Die Männer auf der Bühne  haben sichtlich Spaß daran, sich selbst ein wenig auf den Arm zu nehmen, mit “Ai bilief in jeschderdei” zollen sie ihrem schwäbischen  Nationalcharakter Tribut - ohne dabei das musikalische Niveau fallen zu  lassen.
Den Vergleich mit ihren Vorfahren, den Comedian Harmonists,  suchen die Sänger selbst mit einem neuartigen Mix aus den drei  bekanntesten Stücken der Altmeister. Dabei haben sie nicht den Anspruch, mit besonders beeindruckenden Einzel-Stimmen zu brillieren. Stattdessen schaffen sie mit angenehm präzisem Gesang eine Basis, die durch eine  Garnitur komischer, schauspielerischer, akrobatischer, sprachlicher,  rhythmischer oder instrumentaler Natur zu einem beeindruckendem  Gesamtkunstwerk wird.
Die “Fuge aus der Geographie”, ein von Ernst  Toch komponierter Sprechgesang, setzt dem ersten Teil des Programms die  Krone auf. Den etwa vierminütigen Zungenbrecher geben ”Öl des Südens”  in einer kaum nachvollziehbaren Präzision wieder, dazu noch im Kanon -  Begeisterungsstürme beim Publikum.
Nach des Pause grenzen die  Künstler ihr Programm thematisch ein, sie wollen ihre “musiko-erotische” Seite zeigen. Dementsprechend steht die zweite Stunde unter einem  ebenso kurzen, wie komplexen Motto: “Kein Mensch ist einsamer, als der  Mann, der liebt”. Beim Abschied von den kreativ-wilden Choreographien  des ersten Teils geht die unterschwellige Komik jedoch nicht verloren.  “Du bist nicht die Erste”,  “Nur nicht aus Liebe weinen” und die Ode an  den Goldfisch Helmut betrachten das Thema Liebe aus diversen  Perspektiven.
“Öl des Südens” singen auch Herbert Grönemeyers Hit  “Männer” - auf ihre ganz eigene Art. Die zurückhaltende chorale Version, die um Welten verletzlicher klingt als das Original, verleiht dem  einstigen Chart-Hit einen ganz neuen Charme. Ein “Kenn ich schon Gefühl” kommt bei keinem Stück auf. Das zeigt sich auch beim Abschlussapplaus,  der die Sänger zu drei Zugaben und einem abschließenden Highlight  motiviert, eine Ode an ihre Wahlheimat Freiburg: “Badnerlied Cantamus,  Bobbele Benedicamus”.

Ettenheimer Kulturkeller (17.06.10):
Reife Stimmkünstler erfreuten die Zuhörer
Der besondere Männerchor “Öl des Südens” brillierte im Ettenheimer Kulturkeller

“Badens kleinster und schönster Männerchor”: Die Rede ist vom “Öl des Südens”;  die sich vor 24 Jahren so benamsten Laiensänger traten zum dritten Mal  im Ettenheimer Kulturkeller auf - und der platzte erwartungsgemäß  abermals aus all seinen Nähten. Über hundert Gäste zwängten sich hinein, um einen Musikgenuß seltenerer Art zu erleben.

Getragener Einmarsch der Stimm-Gladiatoren. Kaum auf der Bühne angelangt, springt  der Funke über: Die Buben (mit einem gesammelten Alter von ehedem mal  222 Jahren) können nicht nur prächtig a cappella singen, sie inszenieren dazu dezent mit umso brüllend  komischerer Gestik und Mimik ihre  Vorträge. Die “Capri-Sonne” etwa, textlich bisweilen leicht  “verbessert”: Rudi Schuricke, lebte er noch, hätte sich schiefgelacht ob  der herrlich vorgetragenen Persiflage - so auch das Publikum. Stimmlich  war alles korrekt, mit gebührendem Schmalz.
Die legendären “Comedian Harmonists” bieten noch heute Stoff genug für  Spaßgesang. “Wochenend und Sonnenschein?” Schon damals mit deutlichen  Anzüglichkeiten, wie wie auch beim “Kleinen grünen Kaktus”, den die um  Freiburg herumwohnenden Barden zum Allerbesten gaben, gleich mit  Veronikas Lenz, wo der Spargel wächst, und bleibend schöner spanischer  Isabella vermixt. Da klatschte niemand nicht mit, helle Begeisterung bis zu hinteren Notsitzen auf der Treppe.
Während der Pause gaben es  die Gesinnungstäter (zwei Lehrer, je ein Rechtsanwalt, Psychologe und  Vermögensberater) im Garderobengespräch zu: Sie leben mit den Reaktionen des Publikums auf, besonders, wenn Damen in den ersten Reihen außer  Rand und Band geraten. Und: Vom Ettenheimer Publikum sind sie besonders  angetan - das beruht offensichtlich auf  Gegenseitigkeit.
Ob rasanter Sprechgesang mit Weltreise vom Mississippi über Popocatepetl  und Titicacasee bis nach Freiburg Nord, oder der Beatles verschwäbeltes  “Jäschterdäh”, “Play Bach” mit stimmverbalem “muh-muh” und “mähmah”,  schließlich das Hauptthema Liebe a’  la Zarah Leander geringfügig  verfremdet (“Du bist nicht die Erste, aber meine Letzte könntest Du  sein”): zwischendurch immer wieder Stakkato-Applaus.
Schließlich  ließen sich die Künstler (längst angediente Fernsehauftritte lehnen sie  eher ab, weil sie lieber durch den Kontakt zum überschaubaren Publikum  zur Höchstform auflaufen, zu fünf Zugaben bereit klatschen.

Haslach ( 30.01.2010)

Balsam für die Seele” war es nicht, was das Freiburger Männerquintett ”Öl des  Südens” am Samstag im Kapuzinerkloster präsentierte. Denn dazu mussten  die Gäste viel zu oft lachen. Es gab Balsam in Form von bestem  “Kleinkunstschmalz”: fettig, doch nie zu dick aufgetragen.
Die fünf - je nach Gusto grau bis blond melierten - Protagonisten hatten das  Publikum vom ersten Moment an im Griff, bereits als Moderator Johannes  Ehmann in seiner unvergleichlich trocken-räsonierenden Art ins  “musikerotische Event” einführte. Bei seinen Vorstellungen mutierten  selbst alte deutsche Rockschmonzetten  wie “Ich nenne alle Frauen Baby”  zunächst verbal zu wahren Preziosen, etwa zur “Auseinandersetzung mit  der Ikone der postnatalen Frau”. Wer hätte hinter dem nun gleich  Gesungenen sozialtherapeutischen Rollenspiel “Tränen lügen nicht” vermutet?
Und stets gelang es der Sangestruppe, die vorformulierten  Ansprüche amüsant einzulösen, in ureigenen Arrangements bürstete sie das Gesungene kräftig gegen den öligen Strich. Ob Mackebens “Nur nicht aus  Liebe weinen” oder der gute alte “Tangogeiger”, ob Grönemeyers “Männer”  oder Deutschers “Marmorstein” - neu arrangiert fiel jedes Lied leicht  aus dem Rahmen. Die Choreographie  tat ein übriges, den Abend zum Erfolg werden zu lassen. Minimalistische Bewegungen, dann aber gleich fünffach überraschend schnelle oder überlang gedehnte Wechsel, mit Grandezza  überzogene Gesten, ja selbst das einfache “Nur-auf-der-Bühne-stehen” war minuziös mit Text und Gesang abgestimmt - die geistreiche Veralberung  bekannter Lieder avancierte zur eigenen Kunstform. Selbst die  Pflicht-Reminiszens an die “Comedian Harmonists” wurde so zum Höhepunkt, schließlich kennen Kleinkunst-Liebhaber “Veronika, der Lenz ist da”,  “Mein kleiner grüner Kaktus” und die “Schöne Isabella von Kastilien”.   Das Ganze zu einem einzigen Lied verwurstet, zeigte Qualitäten, die den  Arrangements der Harmonists in nichts nachstanden.
Die  “Caprifischer”, frech kommentiert, “To do Run Run” in Combobesetzung  oder gar “In the Mood” auf Schwäbisch - “Öl des Südens” ließ nichts aus. Kein Wunder also, dass die Formation erst nach drei Zugaben von der  Bühne durfte.

Lederfabrik Endingen (12.07.2008)

Ein kurzes Aufeinandertreffen der Augen im beschwingten Vorübergehen. Ein  Blick, der sich bis in den Grund der Herzen wühlt. Und schon tänzeln die charmanten Herrn weiter Richtung Bühne, hinter sich zurücklassend das  Schlachtfeld einer teils hingerissenen, teils amüsierten Damenwelt.  Schauplatz ist die Lederfabrik, wo “Badens kleinster und schönster  Männerchor” am Samstag sein Debüt gibt.
Auch viele Männer sind  neugierig auf die “insgesamt 222 Jahre Erfahrung in Liebesdingen”, die  das Freiburger Kult-Quintett “Öl des Südens” anzubieten hat. Schließlich eilt den singenden Komödianten der Ruf voraus, zu wissen, was Frauen  wollen. Schmachtend und theatralisch winden sie sich voller Sehnsucht  nach Bella Marie, huldigen als Nachfolger der Comedian Harmonists der  schönen Isabella und fragen gleichzeitig arglos und hintersinnig: “Kann  denn Liebe Sünde sein?”
Insgesamt bewegt sich die liebevolle  Botschaft des Abends zwischen “Marmor, Stein und Eisen bricht” und “Du  bist nicht die Erste”. Herz- und Boshaft tauchen die fünf  a-capella-Sänger ihr Publikum in ein Vergnügen bereitendes Wechselbad  aus Schmachtmelodien und Vokalakrobatik. Hemmungslos werfen sich die  reiferen Herrn in Pose, zelebrieren singend den weichen Gang des  Ladykillers und empfehlen: “Ich nenne alle Frauen Baby...”
Trotz  allem Gesangsklamauk lebt das Männerquintett von seiner Tonkunst. Der  Takt der Vokale bringt den Klang- und dies in fünf verschiedenen  Einsätzen ohne elektrische Hilfe. So haben sie auch kein Problem damit  ein Lied horizontal zu kürzen, was heißt, den Text ohne Melodie zum  Besten zu geben. “Die gemeinsame Liebe zum Singen, der Spaß an der  Parodie und die Freude am Schmachten und Seufzen” haben die beiden  Lehrer, den Anwalt, den Psychologen und den Vermögensberater bereits vor 20 Jahren zusammengeführt. Sie kennen sich aus mit Frauen, mit  Schlagern, mit der Wirkung von ausgefeilter Mimik, Gestik und  Choreographie.
Die Erkenntnis, dass in 87,3 Prozent der Kompositionen von Frauen die Rede ist, hat sie sensibilisiert, sich auch der  Minderheit im deutschen Liedgut anzunehmen. So präsentieren sie Herbert  Grönemeyers “Männer” in einer von Selbstreflexion triefenden Variante.
Erst nach der dritten Zugabe lässt sie das hingerissene Endinger Publikum  ziehen, diese alten Schwerenöter, die noch im Vorübergehen dieser und  jener Dame leise lächelnd ins Ohr raunen
“Träumen Sie schön,,,,”

Schlosskeller Emmendingen (14.12.2007)

Es geht einfach runter wie Öl. Gemeint ist das A-Capella des  Männerquintetts “Öl des Südens”. Weil ihr Gesang so triefend ans Herz  geht, war die Resonanz ihres Auftritts im Schlosskeller wie jedes Mal:  Kein Platz war mehr zu haben. Denn die Stimm-Comedy der in die Jahre  gekommenen Mannsbilder ist so hinreißend wie vor gut 20 Jahren.
Johannes Ehmann führt wieder einmal süffisant durchs Programm und fragt singend  zusammen mit Dietrich Grübner, Christoph Lang-Jakob, Wolfgang Obhof und  Gottfried Schrägle: “Kann denn Liebe Sünde sein?” Seit zwei Jahrzehnten fragen sie das. Geblieben sind die schwarzen Anzüge, Fliegen und  skurrilen Krawatten. Pomadig hört sich auch ihr “La, le lu” an, mit dem  sie ihren Abgang ankündigen. Aber viel Pomade ist nicht mehr im Haar.  Ihr Programm ist inzwischen nicht nur zu einem guten Teil eine  nostalgische Reminiszenz an die legendären “Comedian Harmonists”,  sondern ihre Mischung aus Ironie und Schmachtmelodien ist selbst schon  Regiokult. Trotz allem Gesangsklamauk lebt das A-Capella des Freiburger Ensembles von ihrer Tonkunst.
Öl des Südens singt die bekannten  Schlager und Evergreens der 20er- und 30er Jahre und in diesem Stil auch neue Stücke, etwa aus der Pop- und Rockecke. Aber wenn ein Anflug von  Rock hinein spielt, wie in Grönemeyers “Männer”, dann wird die Virilität so tenorig, dass die sentimentale Huldigung an das starke Geschlecht  zum lächerlichen Fünfklang wird. Da sie angeblich mehrheitlich Schwaben  sind, bekommen auch die Beatles eine eigene Note. “Jeschderdey” kommt  an.
Insgesamt bewegt sich die liebevolle Botschaft des Abends  zwischen “Liebling, mein Herz läßt dich grüßen” und “Für dich ist  tausendfach Ersatz”. Und wieder muss ihre Stimmakrobatik betont werden.  Ihr Zug über die Landkarte kommt ohne Musik-Melodie aus. Der Takt der  Vokale bringt den Klang. Die Vokal-Melodie von Titicacsee kann man sich  auch geschrieben vorstellen. Dies in fünf verschiedenen Einsätzen  erzeugt einen Witz, dem sich keiner im Keller entziehen kann. Hinzu  kommt die Theatralik, mit der die alten Liebeslieder durch den Kakao  gezogen werden. Denn die Aufforderung “Nur nicht aus Liebe weinen!”  erfordert nun mal etwas Grimasse.
Witzig und originell macht das  Quintett den Abend zu einem ausgesprochen kurzweiligen. Dabei gehört der überbordende Applaus schon zur Choreographie. Wie die Zugaben. Manche  können nicht genug bekommen. Die ölige Huldigung von Liebe und Leid  könnte so schnell nicht wiederkommen.

Haslach, Kleinkunstreihe im Kloster (20.01.2004)

“Yäschterday” und andere Evergreens
Grandioser Auftakt der neuen Kleinkunstreihe im Kloster mit dem Gesangsquintett “Öl des Südens”

Wer meinte, dass opulente zwei Mal 50 Minuten a-capella-Gesang kein abendfüllendes Programm ergeben, wurde vom Freiburger Männerquintett “Öl des Südens” nachhaltig eines besseren belehrt. Was der “kleinste  Männerchor Südbadens” im Refektorium des Alten Klosters bot, war eine  Bühnenshow, die keinen Vergleich mit hochkarätigsten Profiensembles zu  scheuen braucht.
Es fällt schwer, diesen in jeder Hinsicht gelungenen Abend angemessen zu beschreiben. War es der perfekte Gesang, der das  Publikum vom ersten Stück an in den Bann zog? Waren es das filigran  ausgefeilte Arrangement und die liebevoll-ironische Bearbeitung von  bekannten Gassenhauern, Schlagern, aber auch eines gregorianischen  Chorals? War es der Wortwitz von Johannes Ehmann, dessen  skurril-hintergründige Moderation sich nie nach vorne drängelte, sondern stets dem angenehme intelligenten Wortspiel huldigte und so zum Balsam  für die von mäßiger Fernsehcomedy wund- geriebenen Zuschauererwartungen  wurde?
Wen dieses noch nicht überzeugte, der war spätestens vom  perfekten Zusammenspiel der Akteure auf der Bühne hin- und weggerissen;  während eine Zweiergruppe, nehmen wir Dietrich Grübner und Wolfgang Obhof, gerade bei einem der Stücke singender und spielender Weise die  ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zieht, brauen die anderen  drei Akteure als Backgroundchor still und heimlich eine Figur zusammen,  die auf dem Höhepunkt der musikalischen Spannungskurve urplötzlich durch eine Drehung, ein gemeinschaftliches Augenzwinkern, ein  hervorplatzendes Lachen oder durch sonst einen skurrilen Einfall den  Zuschauer zwingt, sofort wieder mitzugehen.
Und schon hat die Truppe  erreicht, was sie will: wer ”Öl des Südens” vollauf geniessen wollte,  musste jede Sekunde gewahr sein, an den unerwartetsten Stellen im  Musikstück wie auf der Bühne selbst eine ironische Geste, einen jede  Texterwartung ins Gegenteil verkehrenden Augenaufschlag, eine  halbhochgezogene Braue ja nicht zu verpassen.
Wer traut sich schon,  Stücke der Könige des Genres, den legendären Comedian Harmonists  scheinbar mal einfach zu verwursten und aus “Mein kleiner grüner  Kaktus”,  “Veronika, der Lenz ist da” und der “Schönen Isabella” ein  einziges Lied zu kreieren? Wer wagt sich an eine schwäbische Fassung der Beatles-Ikone  “Yesterday” heran, die dann zu einem “Yäschterday”  mutiert?
“Öl des Südens” schafft dies spielend. Die Fünfertruppe (im  Zivilberuf zwei Lehrer, ein Antiquitätenhändler, ein Anwalt und ein  Psychologe) tritt seit 1986 in dieser Zusammensetzung auf: Johannes  Ehmann, Gottfried Schrägle, Wolfgang Obhof, Christoph Lang und Dietrich  Grübner entwickeln seither ihr Programm stetig weiter. Das Publikum im  ausverkauften Haslacher Refektorium genoss den Abend sichtlich und ließ  die fünf Künstler erst nach drei Zugaben unter langanhaltendem Applaus  von der Bühne.
Die Veranstalter warben auf dem Programmzettel mit dem Slogan “Kleinkunst vom Feinsten”. Damit hatten sie dieses Mal nicht  recht, denn was “Öl des Südens” im Kloster boten, das war ”Kleinkunst  extra vergine”, feiner und raffinierter konnte es gar nicht sein.


Lahr:

Schwarze Anzüge, Fliegen und Krawatten in aberwitzigen Farben, Pomade im Haar:  ein Männerquintett, das a-capella singt: Muss ein Auftritt einer solchen Formation nicht zwangsläufig entweder in einer bierseligen  Festzeltatmosphäre oder aber - was wahrscheinlicher ist - in eine bloß  nostalgische Reminiszenz an die legendären "Comedian Harmonists"  ausarten?
Das Freiburger Ensemble bewies, dass es auch anders geht!
Daß man als ein Männerquintett nicht spurlos an den "Comedian Harmonists" vorrübergehen kann, steht dabei freilich dahin.
So singen die Öl des Südens-Mitglieder zwar die bekannten Schlager und  Evergreens der 20er und 30er Jahre und in diesem Stil auch neue Stücke,  etwa aus der Pop- und Rockecke, aber sie singen sie anders als gewohnt:  Es ist zwar eine Art "Sentimental Journey", aber vordergründige  Sentimentalitäten haben keinen Platz im Programm von Öl des Südens. Wo  immer Sentimentalitäten auftauchen könnten, da werden sie kräftig durch  den Kakao gezogen: Das ist es unter anderem, was den Auftritt des  Freiburger Männerquintetts so witzig, so spritzig und so originell  macht.
Überspitzt und wirkungsvolle Theatralik, gezielt und dezent  eingesetzter Klamauk, Slapstick, ein gehöriger Schuss Ironie und auch  Selbstironie, ein knochentrockener Humor, der insbesondere bei den  Ansagen zum Ausdruck kommt, so etwa ließen sich die Zutaten beschreiben, mit denen die fünf Sänger ihre Interpretation versehen und ihren  Auftritt zu einer ausgesprochen kurzweiligen Angelegenheit machen!